Samstag, 30. April 2016

Viel Zucker

„Du, Papa, sind 7,5 g viel Zucker?“

Diese Frage bekam ich gestellt, nachdem mein Sohn am Frühstückstisch eine Angabe auf der Packung mit den Frühstückkugeln Nesquick Duo entdeckte.

(Das Bild, das hier zu sehen war, ist leider verschollen gegangen)

Und schon war ich in der Situation, die schon ein Klassiker für die gesüßten Produkte sind, die eindeutig Kinder ansprechend. Immerhin wurde Zucker in Lebensmitteln im Umfeld meines Sohnes von mehreren Seiten thematisiert und so war ich erstmal erstaunt, dass er überhaupt diese Frage gestellt hat.


Die Lebensmittelkonzerne schreiben gerne, dass es in der Verantwortung der Eltern liegt, die Kinder aufzuklären, wenn sie von Verbraucherschutzorganisationen, wie z.B. Foodwatch, auf solche Missstände hingewiesen werden. Jetzt werden sie eventuell denken:

Wo ist denn ein Missstand?

Schauen wir erstmal auf die Angabe selbst. Dort steht in der Tat, dass dieses Produkt 7,5 g Zucker enthält und darunter steht noch eine weitere Zahl: 8%. Über diesen Angaben steht etwas davon, dass es sich um eine 30g-Portion handelt, auf die sich diese Zahlen beziehen und dass die Prozentangabe sich auf die empfohlene Tagesmenge eines Erwachsenen bezieht.

Also was habe ich zu meinem Sohn gesagt? „Diese Angaben sind nicht für Dich auf die Verpackung geschrieben worden.“

Das erntete verständlicherweise einen fragenden Blick meines Sohnes. Also habe ich ergänzt:
„Das schreibt der Hersteller nur auf die Verpackung, um Dich glauben zu lassen, dass dort so wenig Zucker enthalten ist.“

Die Lebensmittelkonzerne möchten ihrer eigenen Aussage nach, dass man seine eigenen Kinder in der Art aufklärt, dass sie bewusst getäuscht werden, damit sie eher zu diesem Produkt greifen. Denn auf eine Verpackung eine Referenzmenge für Erwachsene zu schreiben, wenn das Produkt sich eindeutig an Kinder richtet, ist nichts anderes als eine Verbrauchertäuschung.

Am Frühstückstisch sind wir nun einen Schritt weitergegangen.
„Die Angaben, die für Dich interessant sind, stehen in einer Tabelle auf der Seite der Verpackung.“
Wir drehen die Verpackung, so dass die Tabelle sichtbar wird.
„Nun konzentrier Dich auf die eine Spalte, in der oben 100 g steht, denn das ist die Spalte, in der alle auf 100 g bezogen wird.“

Damit wird es nämlich einfach, denn die Gramm-Angaben zu den jeweiligen Nährwerten sind in diesem Fall gleichzeitig die Prozentangaben. Nun habe ich meinen Sohn suchen lassen, ob er herausfindet, wieviel Zucker wirklich in seinem Frühstück enthalten ist.

Die Blick auf die Nährwerttabelle offenbart, dass dieses Frühstück zwar durchaus zu 75% aus Kohlenhydrate besteht, aber dass davon 25% Zucker sind.

„Oh!“, machte mein Sohn und mit einem Lächeln auf den Lippen wurde ihm die Täuschung bewusst. Denn nun wusste er, dass die 7,5 g nichtssagend sind. Aber mit der Aussage, dass ein Viertel des Produkts aus Zucker bestehen, konnte er sehr wohl etwas anfangen.

Was ich mich aber frage: Ist es wirklich das, was die Lebensmittelkonzerne möchten? Dass wir unseren Kindern beibringen, dass die Konzerne lügen und uns bewusst täuschen, damit wir mehr von ihnen kaufen?

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