Donnerstag, 19. Mai 2016

Ich will ...!

Drei Kinder zu haben, heißt gleichzeitig, jegliche Phase der Kindsentwicklung drei Mal mitzumachen. Das gilt auch für die Trotzphase. Ein Name, der so einigen aufstößt, weshalb sie auch gerne als Autonomiephase bezeichnet wird. Und das aus gutem Grund.

Es wird gerne von der einen Trotzphase gesprochen. Nämlich der ersten, die irgendwann im zweiten Lebensjahr des Kindes ansteht. Aber eigentlich ist das nur der Beginn einer ganzen Reihe von Phasen, die mal mehr mal weniger ausgeprägt sind.
Derzeit befinden sich gleich zwei unserer Kinder in dieser Phase: der Zweijährige entdeckt gerade seinen Willen und der Sechsjährige (kurz vor der Einschulung) fühlt sich allwissend.

Aber obwohl das Kind älter wird, bleiben manche Grundregeln gleich.

Grundregeln?

Bevor man sich als Elternteil Gedanken darüber macht, wie man denn am besten auf den Wutanfall des Kindes reagiert, ist es ratsam sich vor Augen zu führen, warum das Kind das überhaupt macht.

Oftmals sind es unverständliche Kleinigkeiten, die zu einem Wutausbruch führen. Manchmal kommen sie sogar aus dem Nichts und scheinbar ohne Vorwarnung. Ein anderes Mal ist man geneigt zu glauben, das Kind bekommt nun extra einen Wutanfall, weil man es gerade jetzt eilig hat.

Dem ist natürlich nicht so. Denn das Kind wird im wahrsten Sinne autonomer. Es entdeckt sich selbst und seinen Willen und begreift, dass seine Aktionen zu Reaktionen führen. Und zwar bei jedem Erwachsenen zu ganz unterschiedlichen. Das klingt jetzt wie aus einem Erziehungsratgeber, aber es hilft sich in einer Wutanfallsituation vor Augen zu führen, was das Kind denn gerade möchte.

Das führt dann zwangsläufig zu den Tipps, wie zumindest bei uns eine Wutanfallsituation gelöst werden konnte.

Tipp Nr. 1: Zeit einplanen

Das klingt banal, hilft aber viel. Es hilft ungemein, ausreichend Zeit einzuplanen. Wenn auf der Arbeit ein wichtiger Termin ansteht, dann wird das Kind heute eben 10 Minuten früher in die Kita gebracht, damit es auf dem Weg dorthin noch Zeit hat, den Regenwurm anzuschauen, der sich gerade über den Weg schlengelt.
Der eigene zeitliche Stress hat sich bei uns recht oft auf die Kinder übertragen.

Tipp Nr. 2: Das Umfeld kindgerecht gestalten

Okay, das ist ein Tipp, der nicht typisch für eine Trotzphase ist, aber dennoch eingehalten werden kann. Damit meine ich nicht das abpolstern aller Kanten und Ecken. Sondern eher das Hochstellen von Vasen und empfindlichen elektronischen Geräten, wie Handys, Telefonen und Fernbedienungen.

Die Kinder wohnen ebenso in der Wohnung oder dem Haus, wie die Eltern. Und sie sollen sich in der Wohnung ebenso frei bewegen dürfen wie wir selbst. Wenn wir bei anderen zu Besuch sind, merken wir schnell, dass die Kinder immer wieder ermahnt werden und Dinge NICHT machen sollen. "Geh nicht an den Couchtisch", "Weg von der Vase", "Vorsicht mit den Vorhängen".
Bei uns gab und gibt es immer wieder Ecken, die von den Kindern untersucht werden. Da werden alle Töpfe in der Küche ausgeräumt oder alle DVDs im Wohnzimmer oder die Klamotten im (Kinder)Schlafzimmer.

Es gibt nur wenige Bereiche, die für Kinder gesperrt sind. Und wenn dann doch mal wieder alle DVDs auf dem Boden liegen, hilft eine gute Portion Gelassenheit, (auch wenn das nicht immer klappt), denn Spielplatz ist überall.

Tipp Nr. 3: Diskussion ja, aber bitte in Maßen

Kleidung wird immer ein Thema sein. Unser Zweijähriger möchte gern den Pulli mit dem Bagger haben, der Sechsjährige lieber den grünen, nicht den blauen und der Siebenjährige hätte gerne den Pullover ohne den engen Kragen. Okay, solche Wünsche können wir meist erfüllen.
Wenn ein Pullover aber gerade in der Wäsche ist, dann hilft keine Diskussion. Es gibt das zum Anziehen, was sich gerade im Schrank befindet. Punkt.

Bei bestimmten Punkten gibt es gar keine Diskussion (mehr). Gern wurde auch schon versucht eine Basisdemokratie einzuführen. Jede Stimme zählt gleichberechtigt. Mit drei Kindern sollte man sich auf solche Abstimmmodelle nicht einlassen, wenn es um wichtige Dinge geht. Bei anderen, uns nicht so wichtigen Dingen oder wenn wir besprechen, wo es hingehen soll, dann darf auch dieses Modell angewandt werden.
Wenn alle Kinder ins Schwimmbad gehen möchten, dann darf auch mal der Papa überstimmt werden, auch wenn der gerade überhaupt keinen Bock darauf hat.

Tipp Nr. 4: Ablenkung

Der hilft manchmal erstaunlich gut. In einem Wutanfall das Kind mit etwas anderem ablenken ("Oh, guck mal der Bagger. Der arbeitet sogar."). Das hilft sogar bei unseren Großen. Zumindest in Maßen.

Die Ablenkung oder das Kind auf andere Gedanken bringen hilft auch, wenn das Kind in einer Situation festhängt oder sich von einem Wutanfall zum nächsten hangelt. Denn manchmal ist es so, dass selbst, wenn das Kind seinen Willen bekommt, es trotzdem, dann wegen einer anderen Kleinigkeit, gleich den nächsten Wutanfall bekommt.

Tipp Nr. 5: Gelassenheit und Konsequenz

Ja, jeder Papa und jede Mama weiß sofort, worum es geht. Aber dennoch wissen wir alle, dass es weder einfach ist, gelassen zu bleiben, wenn schon wieder die komplette Küche ausgeräumt ist oder der Kleine die Nudelpackungen entdeckt hat, noch dass es einfach ist, immer die notwendige Konsequenz walten zu lassen.
Am Besten den Raum wieder verlassen, bis 10 zählen und dann wieder zum Kind gehen. Dann wird ein neues Spiel erfunden, wie z.B. "Wie kommen alle Nudeln nun wieder in die Packung?"

Übrigens: Konsequenz und Kompromis schließen sich nicht aus. Ganz im Gegenteil. Schlägt ein Kind etwas vor, das man überhaupt nicht möchte, dann kann man selbst etwas anderes vorschlagen, das man vielleicht auch nicht unbedingt möchte, aber das dennoch auf Zustimmung stößt.

Der Klassiker für eine solche Situation ist der Supermarkt. Möchte der Sohn wieder das Ungesündeste und zuckrigste im Regal haben, schlage ich schon mal als Kompromis etwas anderes vor, das ich zwar auch nicht kaufen würde, wozu er aber dennoch Ja sagen wird (wie z.B. einen Pudding).
Oder wir kaufen zum Beispiel die Marshmallows und die landen daheim dann irgendwo im Regal, wo sie dann die nächsten Wochen unbeachtet verbringen.

Tipp Nr. 6: Ankündigungen

Ich kann meine Jungs verstehen. Sie bauen gerade Burgen, erleben den heftigsten Stau oder malen gerade den neusten Picasso. Dann kommt der Papa und möchte, dass sie sofort alles stehen und liegen lassen und mit mir kommen. Das ist doof.
Deshalb habe ich mir angewöhnt, Dinge vorher anzukündigen. "In 10 Minuten gibt es Essen" oder "fang bitte kein neues Kunstwerk an, wir fahren gleich los" wirkt manchmal Wunder, denn dann haben sich die Jungs schon darauf einstimmen können, dass demnächst eine Unterbrechung kommt.

Bei uns hat das allerdings auch zur Folge, dass sich eine "Gleich-Menatlität" eingeschlichen hat. Egal, was ich sage, es folgt ein: "Ich komme gleich" oder "Mache ich gleich" oder einfach nur "Gleich!". Ich trags mit Fassung.

Tipp Nr. 7: Situationen vermeiden

Das geht natürlich nicht immer. Ich gehe z.B. am liebsten allein im Supermarkt einkaufen, um den Stress in der Quengelzone zu umgehen. Klar könnte man sagen, dass die Supermarktbetreiber gern Kindgeschrei im Kassenbereich hören, aber ich versuche solche Situationen zu vermeiden.


Ja, die Tipps lesen sich wie die perfekte Welt. Natürlich ist das bei uns nicht immer der Fall. Wir haben zwar noch kein Kind im Schlafanzug in die Kita gebracht (auf die Idee sind wir erst gekommen, als uns eines so entgegenkam), aber dennoch lag schon mal das ein oder andere Kind auf dem Boden, weil es eben jetzt seinen Willen nicht durchsetzen konnte oder saß weinend im Gebüsch, weil es nicht glaubte, dass Mama oder Papa doch ohne ihn weiterziehen.

Die Jungs haben zumindest gelernt, dass wir, die Eltern, bestimmte Regeln haben, die wir niemals brechen, aber dennoch in anderen Situationen zu Kompromissen bereit sind.


Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Gluckeundso.

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