Freitag, 20. Mai 2016

Mein Kind ist irgendwie anders ... Teil 1: Erste Auffälligkeiten

Derzeit befindet wir uns in einem Schwebezustand. Wir wissen, dass unser Kind irgendwie anders ist, konnten aber bisher noch nicht festmachen, was genau es ist. Es war und ist uns nicht wichtig, der Auffälligkeit einen Namen zu geben. Wir möchten in erster Linie wissen, wie wir am besten mit unserem Sohn umgehen.

Wie viele Eltern von besonderen Kinder schreiben, wissen oftmals die Eltern am besten, wie sie mit ihren Kindern umgehen. Wir haben uns dennoch Hilfe suchend an verschiedenste Institutionen gewandt.

Dadurch haben wir bisher eine kleine Odyssee hinter uns, ohne wirklich eine tatsächliche Hilfe erfahren zu haben. In einer kleinen Blogreihe berichte ich von unseren Erfahrungen mit Ärzten und Institutionen.

Vor der Geburt

Es ist unser Erstgeborener. Mit dem ersten Kind starten Eltern in ein unfassbares Abenteuer, das das komplette bisherige Leben auf den Kopf stellt. Man sieht vieles im Bekanntenkreis, liest vieles in Büchern und im Netz und ist entsprechend neugierig, wie man selbst das neue Leben meistern kann.
Mit der Neugierde schwingt aber auch einiges an Verunsicherung mit. Wie wird es werden, mit dem Kind, werden wir alles richtig machen?

Unser Erster war im Mutterleib sehr unruhig und schien nur wenig Ruhephasen zu haben. Es mag auch am Körperbau meiner Frau liegen, aber welche Turnübung er gemacht hat, die deutlich nach außen hin sichtbar waren, würde uns keiner glauben, hätten wir keine Videoaufnahmen davon. Wir haben ihn damals als kleinen Alien bezeichnet, weil die Analogie zu gleichnamigen Film frappierend war.

Nach der Geburt

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man als Paar die Wohnung verlässt und als Familie wiederkommt. Es war eine (mehr oder weniger) unkomplizierte ambulante Geburt. Wir sind ein paar Stunden nach der Geburt wieder zu Hause gewesen. Wie bei all unseren Kindern.

Schon als Säugling fing es uns aber schon an zu dämmern, dass wir einen Sohn haben, der irgendwie anders ist. Schlafen war immer schon ein Problem bei ihm gewesen. Ebenso die körperliche Nähe. Nur unseren ersten haben wir "gepuckt" (also relativ eng in Decken gepackt und auf den Arm genommen) und Methoden angewandt, die in dem stark umstrittenen Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" beschrieben sind.

Er war immer noch sehr aktiv und fing recht früh an, seinen Körper zu bewegen. Schon nach drei Monaten konnte er sich auf den Bauch drehen, mit einem halben Jahr konnte er stehen (aber nicht sitzen, was zu einigen Problemen führte) und mit 10 Monaten laufen.

Manchmal hatten wir den Eindruck, dass er "mit sich nicht im Reinen" war. Dass ihn irgendwas störte, ohne genau zu wissen, was es war. Ein Zustand, der zugegebenermaßen nur schwer zu beschreiben ist. Er war manchmal unnahbar und eher zufrieden, wenn er allein auf der Decke lag.

Spielen

Über ein Jahr lang gab es für ihn nur ein Thema: Bagger. Zu Weihnachten nach seinem ersten Geburtstag bekam er einen Lego Duplo Bagger. Ein Highlight in seinem Leben. Seither hatte er damit alles gebaggert, was man so baggern konnte. Nudeln, Kamelle, Knöpfe, Steine; egal, hauptsache es passte in die Baggerschaufel.
Als er zu seinem zweiten Geburtstag genau den gleichen Bagger von seinem Onkel geschenkt bekam, war er noch immer im Bagger-Fieber, so dass wir fortan zwei Bagger im Einsatz hatten. Zumal da schon sein kleiner Bruder geboren war, mit dem er sich nun die Bagger teilen konnte.

Die Monotonie in seiner Spielwelt setzte sich später mit Dinos fort, in deren Welt er eintauchte und alles Wissen in sich aufsog (wer kennt schon den Unterschied zwischen einem Echsenbeckensaurier und einem Vogelbeckensaurier?). Neben seiner aktuellen Welt ließ er keine weitere Fantasiewelt zu, während seine Freunde schön längst als Piraten oder Cowboys die Welt unsicher machten.

Auch sein Faible für Lexika war in unseren Augen auffällig. Damit meinen wir keine Kinder-Lexika, sondern die für Erwachsenen. Die Kinder-Lexika, die wir nach und nach kauften, waren immer uninteressanter als die Enzyklopädien, die sich an Erwachsene richteten.

Daraus resultierend entstand seine Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. Damit verblüffte er uns ein ums andere Mal (bis heute), was er abzeichnen und teilweise sogar aus seinem Gedächtnis heraus zeichnen und malen konnte. Manchmal steht uns der Mund auf, wenn er eines seiner Werke präsentiert.

Eingeschränkte Gefühle

Wut, Freude, Trauer, Angst. Das scheint seine Gefühlswelt zu sein. Mitleid, Mitfreude, Empatie, Scham sind ihm (scheinbar) unbekannt. Das gilt tatsächlich bis heute, dass er sich nur schlecht bis gar nicht in andere Menschen hinversetzen oder soziale Situationen einschätzen kann.
Wir glauben heute, dass wir ihm beigebracht haben, auf bestimmte Dinge zu achten, die auf ein bestimmtes Gefühl des Gegenübers hindeuten. Mit seiner Intelligenz scheint er einiges zu kompensieren. Wissen tun wir das aber nicht.

Erste Auffälligkeit

Ich habe kürzlich mit meiner Frau nochmal das Vergangene Revue passieren lassen und mich gefragt, ob wir mit ihm den richtigen Weg gegangen sind. Einen Weg, über den ich in folgenden Beiträgen schreiben werde.
Die ersten Auffälligkeiten wurden uns von den Erzieherinnen der Kita herangetragen. Er fand sich nur schwer in die Gruppe ein und hat eigentlich immer sein Ding durchgezogen. Er hat immer sein Spiel gespielt. Wenn andere Kinder sein Spiel mitgespielt hatten, störte es ihn nicht weiter. An den Spielen anderer Kinder wollte er aber nicht teilhaben.

Teilweise wurde er zornig und aggressiv, vor allem, wenn er in seinem Spiel gestört oder unterbrochen wurde. Mit den klassischen Erziehungsmethoden hatten die Erzieherinnen ihre Probleme und sie sahen einen potentiellen Konflikt in der Schule auf uns zukommen, weshalb man uns riet, uns an eine Erziehungsberatung wenden.


Das haben wir gemacht, worüber ich in den Folgebeiträgen berichten werde.


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