Samstag, 28. Mai 2016

Mein Kind ist irgendwie anders ... Teil 2: Ursachensuche

Einen Verdacht, dass unser Größter irgendwie anders ist, hegten wir schon für einen längeren Zeitraum. Der Kinderarzt war bei der Diagnosefindung keine große Hilfe, da er der Meinung war, dass alle Abnormalitäten für gewöhnlich herauswachsen. Einige Eltern kennen das vermutlich, dass ihre Verdachtsmomente einfach so weggewischt werden. Der Kinderarzt mag damit recht oft richtig liegen, aber eben nicht immer.

Nachdem uns die Erzieherinnen der Kita geraten haben, professionelle Hilfe zu kontaktieren, hat meine Frau einen Termin bei der Erziehungsberatung der Stadt gemacht. Nach drei Monaten Wartezeit und einigen Gesprächen wurde uns mitgeteilt, dass uns dort nicht geholfen werden konnte.
Gleichzeitig gab es eine Sendung im WDR von Quarks&Co mit dem Thema Autismus. Meine Frau hatte immer wieder mal gesagt, dass er autistische Züge hatte. Manchmal im ernstgemeinten Spass. Nun hatte die Redaktion einen unverbindlichen Test online gestellt, mit man selbst prüfen konnte, ob man evtl. in dieses Raster fällt. Wir, die Eltern, haben den Test durchgeführt und sind vermutlich nicht autistisch. Wir haben den Test für unseren Sohn durchgeführt und haben ein positives Testergebnis erhalten.

Wir wollten Klarheit und haben uns im Juni 2014 auf die Warteliste für die Autismusambulanz an der Kölner Uniklink setzen lassen.
Im Januar 2015 haben wir einen ersten Termin für Febraur 2015 erhalten. Die gesamte Prozedere rund um die Erstdiagnose erstreckte sich bis in den April 2015. Allerdings gab es keine eindeutige Diagnose. Unser Großer hat sich zu sehr den Tests verschlossen, so dass uns geraten wurde, ihn für mehrere Wochen auf die Eltern-Kind-Station einzuweisen.

Als Erstdiagnose ("damit es weitergehen kann") wurde ADHS mit einem möglichen unterdrückten Autismus genannt. Einen Intelligenztest hatte er ebenfalls über sich ergehen lassen müssen, wobei er sich auch hier oftmals verweigerte, so dass die Psychologin eher eine höhere Intelligenz vermuten könnte. Die Testergebnisse selbst waren durchschnittlich. Eine Hochbegabung konnte aber ausgeschlossen werden.

Der Umstand, dass sich Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten den Tests der Psychologen verweigern, scheint nicht so ungewöhnlich zu sein. In Elternberichten aus dem Netz ist erstaunlich oft davon zu lesen.

Auf Basis seiner Verweigerung wurde uns geraten, in zusammen mit seiner Mutter auf der Eltern-Kind-Station einzuquartieren. Für mindestens sechs Wochen.
Wir waren geschockt! Was? So schlimm!?

Das geht ja gar nicht!

Nach der "Erstdiagnose" haben wir natürlich "Dr. Google" bemüht und konnten lesen, dass sich die Symptome bei ADHS und Autismus stark ähneln können und dass erst seit kürzerer Zeit beide Krankheiten als parallel vorkommend diagnostiziert werden. Vor gar nicht mal so langer Zeit gab es nur ein entweder oder.

Außerdem sind alle Erkenntnisse rund um den Asperger-Autismus recht jung und wenig erforscht. Vieles liegt noch im unklaren und ist nicht beschrieben oder erforscht.
Aus einer 37-Grad-Produktion über autistische Menschen, die das Asperger Syndrom haben, stammt folgendes Zitat:
Autistische Menschen sind sehr verschieden. Kennt man einen, kennt man ... einen.
Ein Umstand, der bei vielen Experten noch nicht angekommen zu sein scheint.

Für eine Familie mit drei Kindern ist eine Eltern-Kind-Station ein nicht mögliches Unterfangen. Es war angedacht, dass meine Frau allein mit dem Großen für mindestens sechs Wochen in dieser Station verbringen sollte. Ja, nee, iss klar. Dass ich voll berufstätig war und dass noch zwei weitere Kinder anwesend waren, schien im ersten Moment für die Psychologen wenig von Bedeutung.


Als Alternative wurde uns die Kinderstation der Uni-Klinik genannt, in der er stationär aufgenommen werden sollte. Also haben wir uns im Juni 2015 die Station angeschaut. Wir waren von der Station ein wenig enttäuscht (um es sehr höflich auszudrücken). Es sah viel zu wenig nach Kind und viel zu viel nach Klinik aus. Zudem hinterließ sie das Gefühl einer geschlossenen Station, auch wenn sie es rein rechtlich nicht ist. Trotzdem müssen die Kinder eingeschlossen werden, damit niemand auf dumme Gedanken kommt.

Tagesklinik


Erst jetzt nannte man uns als weitere Alternative die Möglichkeit, ihn in der Tagesklinik unterzubringen. Dort wäre ebenfalls eine Diagnosestellung möglich. Also haben wir uns im August 2015 die Tagesklinik angeschaut.
Hier werden die Türen nicht abgeschlossen und die Kinder können jederzeit "flüchten". Mit dem bekannten Risiko versteht sich. Die Räume sind deutlich kindgerechter und bieten etwas mehr Nicht-Klinik-Atmosphäre. Also haben wir uns für die Tagesklinik entschieden.

Selbst mit dieser Entscheidung gab es massive Einschnitte in unserem Familienleben und forderte eine hohe Flexibilität meines Arbeitsgebers, die mir glücklicherweise gewährt wurde. Gerade in dieser Zeit waren wir sehr froh, dass wir über zwei Autos verfügten.

Wie so oft existiert eine Warteliste, auf die das Kind gesetzt wurde. Nach Auskunft der Ärzte werden die Kinder nicht der Reihe nach auf der Tagesstation aufgenommen, sondern es wird versucht, das Team der Kinder auf der Station eingiermaßen homogen zu gestalten.
Und so kam es, dass unser Sohn Ende September 2015 auf die Station aufgenommen werden konnte.

Warum das alles?

Hatte ich nicht im ersten Beitrag geschrieben, dass uns die Diagnose nicht wichtig ist? Das stimmt und gilt bis heute. Wenn wir uns allerdings belesen, wie man mit Kindern umgeht, die ADHS oder einen Asperger haben, so liest man von recht unterschiedlichen Empfehlungen. Teils gehen die Handlungsempfehlungen ins Gegenteil. Außerdem hatten wir damals den Standpunkt vertreten, dass es hilfreich ist, dass wenn unser Großer in eine neue soziale Situation kommt, es hilfreich wäre, wenn wir eine Diagnose mitbringen.
Heute sehen wir das etwas differentierter, aber davon später mehr.


In meinem nächsten Beitrag wird es um den Aufenthalt in eben jener Tagesklink gehen.

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