Mittwoch, 25. Mai 2016

Ohne Auto in Köln ... geht das?

Unsere Familienkutsche
Mittwochs mag ich mal darüber nachdenken, ob wir nicht doch auf unsere Autos verzichten können. Aber eines gleich vorab: wir haben derzeit gleich zwei Autos.

Dennoch überlegen wir regelmäßig, ob es nicht auch nur mit einem oder sogar gar keinem Auto funktionieren würde. Da muss man doch richtig viel Geld sparen können und gleichzeitig tut man noch was für die Umwelt.

Das sind und waren unsere Überlegungen. Und so haben wir es in der Vergangenheit kurzzeitig ausprobiert, mit nur einem Auto auszukommen. Dafür haben wir den ein oder anderen Carsharing-Dienstleister getestet. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: so richtig funktioniert hat es in Köln nicht, so dass wir uns mittlerweile von allen Carsharing-Anbietern abgemeldet haben. Woran hat es gelegen?

Arbeitswege

Faktor Zeit

Ich fahre derzeit ca. 20 Kilometer zur Arbeit. Mein derzeitiger Arbeitgeber sitzt in einem kleinen Städtchen vor den Toren Kölns. Vorher habe ich im Kölner Norden gearbeitet. Wir wohnen im Kölner Süden. Und der Arbeitgeber davor ist im Kölner Süden ansässig, so dass es dieser Zeitraum war, als ich dort gearbeitet hatte, dass wir es versucht haben, mit einem Fahrzeug auszukommen.

Meine Frau arbeitet im Schichtdienst auf der anderen Seite des Rheins. Zu den Tagdiensten fährt sie mit dem Fahrrad, bei den Nachtdiensten mit dem Auto. In diesem Zeitraum, als meine Arbeitsstätte lediglich sechs Kilometer entfernt war, haben wir uns das eine Auto geteilt.

Für den Arbeitsweg fällt Carsharing aus, weil das Fahrzeug auf einem Parkplatz der Firma stehen würde. Diese Standzeit kostet enorm viel. Bei allen Anbietern. Für die Möglichkeit, das Fahrzeug irgendwo im öffentlichen Parkraum abzustellen, war der Arbeitgeber zu weit weg. Immerhin hat Car2Go vor gar nicht mal so langer Zeit, den Umkreis, in dem das in Köln möglich ist, stark eingeschränkt.

Also bleibt nur der öffentliche Nahverkehr als Alternative zum eignen PKW. Mit dem PKW brauche ich für meinen Arbeitsweg 20 Minuten für eine Strecke. Damals in unserer Testphase sogar nur 10 Minuten.
Mit Bus und Bahn brauche ich heute 52 Minuten plus acht Minuten, um zur Anfangshaltestelle zu gelangen, plus zehn Minuten, um von der Endhaltestelle zur Firma zu kommen. Macht in der Summe 70 Minuten. Mehr als drei Mal so viel. Aber selbst für die kurze Strecke innerhalb des Kölner Südens hatte ich mit dem öffentlichen Nahverkehr eine gute halbe Stunde gebraucht. Ohne Wartezeiten für eventuelle Verspätungen.

Muss ich die Kinder noch in die Kita bringen, weil meine Frau aus der Nacht kommt oder in der Früh arbeitet, müsste ich nochmals mindestens eine Dreiviertelstunde hinzurechnen. Das wäre gar nicht machbar und meine Frau dürfte in der Woche nicht mehr arbeiten.

Dadurch steht quasi fest, dass wir mindestens ein Auto brauchen, das hauptsächlich von mir für den Arbeitsweg genutzt wird.

Faktor Geld

Modellauto
Eine solche Familienkutsche ist mit drei Kindern
nicht nur praktischer, sondern auch
nur unwesentlich teurer (Symbolfoto)
Eine Einzelfahrt mit dem ÖPNV kostet für o.g. Arbeitsweg 5 Euro. Pro Strecke als Einzelfahrschein. Würde ich die Strecke regelmäßig fahren, so würde ich natürlich ein Monatsticket im Abo kaufen, was mich 124 Euro kosten würde.

Für unseren Zweitwagen zahlen wir 191 Euro im Monat inklusiver aller anfallenden Kosten, wie Versicherung, Steuer, Stellplatz, Inspektionen und Benzin. Nicht mit eingerechnet ist der Kredit, der derzeit läuft, um es zu finanzieren

Das günstigste Auto, dass wir bisher gefahren haben, war ein abbezahlter Golf, der uns im Monat 180 Euro gekostet hat. Das teuerste Auto ist unsere große Familienkutsche, die uns in einem Jahr mal 292 Euro pro Monat gekostet hat, als der Wagen einen Motorschaden hatte.
Rechne ich mit einem Mittelwert über alle Autos, die wir in den letzten 10 Jahren besessen haben, so lagen die Kosten bei 200 Euro im Monat.

D.h. ein Auto ist für uns 1,6 mal so teuer wie der ÖPNV. Ich finde das erschreckend wenig, dafür, dass ich drei Mal so lange unterwegs bin.

Freizeit

ÖPNV

Ich habe mir mal den Spass gemacht und klassische Strecken innerhalb Kölns bewertet. Startpunkt ist immer Bayenthal (ein Stadtteil im Kölner Süden).

Strecke 1 von Köln-Bayenthal nach Köln-Rodenkirchen, Strecke 5 km
Fahrtdauer Auto 10 min
Fahrtdauer ÖPNV ohne Umsteigen 15 min

Strecke 2 von Köln-Bayenthal nach Köln-Godorf (Ikea), Strecke 7 km
Fahrtdauer Auto 11 min
Fahrtdauer ÖPNV 1x Umsteigen 29 min


Strecke 3 von Köln-Bayenthal nach Köln-Innenstadt (Hansaring zu einem großen Elektromarkt), Strecke 4 km
Fahrtdauer Auto 10 min
Fahrtdauer ÖPNV 1x Umsteigen 34 min

Strecke 4 von Köln-Bayenthal nach Köln-Innenstadt (Neumarkt), Strecke 4 km
Fahrtdauer Auto 10 min
Fahrtdauer ÖPNV ohne Umsteigen 24 min

Strecke 4 haben wir zuletzt bei unserem Roncalli-Besuch benutzt. Ich dachte, dass es eine gute Idee sei, mit der Bahn zu fahren. Für den Hinweg traf das auch zu. Aber nach dem Ende der Veranstaltung hätte ich mit meinem total müden Sohn 20 Minuten auf die Bahn warten müssen. Freitag abends gegen 23 Uhr wohlgemerkt. Was blieb uns anderes übrig als ein Taxi zu nehmen?

Da ich in Köln groß geworden bin, weiß ich aus leidlicher Erfahrung, dass der ÖPNV in Köln nur bedingt eine Alternative zu anderen Verkehrsmitteln darstellt. Wer weiß, wie viele Stunden meines Lebens ich auf den Bahnsteigen verbracht habe.

Carsharing

Der größte Knackpunkt beim Carsharing mit Kindern: die Kindersitze. Okay, mittlerweile gibt es Fahzeuge, die einen Kindersitz im Kofferraum liegen haben. Zumindest eine Sitzerhöhung für größere Kinder. Ist man mit kleinen Kindern unterwegs, wird es problematisch. Ist man mit drei Kindern unterwegs, wird es faktisch unmöglich.

Der zweite große Knackpunkt: die Standzeiten. Wir waren z.B. bei Cambio, wo man das Fahrzeug dort abstellen muss, wo man es abgeholt hat. Selbst, wenn man nur für zwei Stunden irgendwo etwas besorgen muss, fängt es an, sich nicht mehr zu rechnen. Zumindest, wenn dies häufiger in der Woche vorkommt, weil zum Beispiel ein Kind zum Training gefahren werden muss.
Dann wird Carsharing plötzlich teurer als der Zweitwagen!

Fahrrad

Fahrradanhänger für zwei Kinder
Vor allem solch breite Anhänger stellen
eine Herausforderung in Köln dar
Das Fahrrad ist das eigentlich sinnvollste Verkehrsmittel für die Stadt. Auch wenn die Kölner Infrastruktur dafür nicht wirklich ideal ist. Damit meine ich noch nicht mal die Fahrradwege, die an vielen Stellen fehlen oder gefährlich nah am fließenden Verkehr vorbeiführen. Gerade mit einem Kinderanhänger musste ich in der Vergangenheit so einige Schweißperlen aus dem Gesicht streifen.

In Köln fehlt es vor allem an Parkplätzen. Nicht nur für die Autos, sondern vor allem für die Fahrräder. So bleibt den Bürgern nichts anderes übrig, als die Fahrräder kreuz und quer abzustellen. Eben dort, wo gerade Platz ist. Und nicht immer so ideal, als dass ein Kinderwagen noch vorbeikommt.

Dennoch ist das Fahrrad das beste Verkehrsmittel, mit dem man am schnellsten und effektivsten unterwegs ist.

Unser Fazit für Köln

Für uns und für Köln funktioniert der Verzicht auf die Autos nicht. Und dabei wird die große Familienkutsche hauptsächlich für Urlaubsfahrten bewegt, was sich im Jahr aber dennoch auf gut 10.000 Kilometer summiert.

Hauptgründe sind für Köln der mangelhafte öffentliche Personennahverkehr, wenn man sich außerhalb des Innenstadtkerns bewegt. Innerhalb des Stadtkerns ist das Fahrrad das sinnvollere Verkehrsmittel. Für viele Strecken außerhalb des Stadtkerns benötigt man mit dem ÖPNV mehr als das Doppelte, andere Strecken, vor allem Ausflugsziele, sind mit dem ÖPNV erst gar nicht zu erreichen und für das Fahrrad zu weit weg. Hinzu kommen die enormen Kosten, die man als Vielfahrer im ÖPNV zu zahlen hat.

Und natürlich spielt das eigene Fahrprofil eine große Rolle, weil wir viel in einem größeren Radius unterwegs sind und dabei Entfernung überbrücken müssen, die für das Fahrrad zu weit sind. Das gilt vor allem für die Freizeitaktivitäten der Kinder.

Das mag für andere Nutzer und andere Städte anders aussehen, wie ein Väterblog aus Berlin beschreibt, die sogar gänzlich auf Autos verzichten.


Dieser Beitrag ist Teil der MMI-Reihe von Frollein Pfau.

Kommentare:

  1. Hat mich sehr interessiert als Kölnerin. Wir sind allerdings beide nicht mehr berufstätig und benutzen das Auto eher selten. Dabei ist am wichtigsten, dass wir meine alte Mutter erreichen können, die nur mit mindestens 2Mal Umsteigen per Bahn zu erreichen ist.
    Das Für & Wider ist also schon sehr aufschlussreich...
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
  2. Dazu passt, dass heute der europäischen Tag des Fahrrads ist - in Köln ist man damit wirklich am schnellsten und effektivsten unterwegs!

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Bevor dieser sichtbar wird, muss er von einem Admin freigeschaltet werden. Bitte haben Sie etwas Geduld. Danke!