Dienstag, 14. Juni 2016

Ich will Kinder, aber keine Babys!?!

Derzeit gibt es eine Blogparade auf "das-elternhandbuch.de", die sich einem auf den ersten Blick merkwürdig anmutendem Thema widmet: Baby? Nein, danke! Warum ich große Kinder so sehr liebe! Spontan stellt sich da die Frage: kann ich große Kinder mehr mögen als Babys?

Die Antwort ist einfach: die Aussage, dass man mit großen Kindern besser zurecht kommt als mit kleinen, stammt von Eltern größerer Kinder, die das Windelalter hinter sich gebracht haben. Das führt zwangsläufig zu einer meiner Lebenskernaussagen: Alles zu seiner Zeit.

Erwartet man das erste Kind, weiß man nicht, was auf einen zukommt. Würde man es wissen, gäbe es vielleicht noch weniger Kinder in Deutschland. Das bekannte Leben wird spontan auf den Kopf gestellt. Klar, mit der Geburtsvorbereitung und dem Nestbau steigt die Erwartung und die Neugierde. Aber wie anders ist das Leben, wenn man zu zweit das Haus verlässt und zu dritt wieder zurückkommt.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Gefühl, das nur Eltern nachempfinden können. Die Natur hat es so eingerichtet, dass bei den Eltern eine anständig große Menge an Hormonen freigesetzt wird, um diverse Dinge des alltäglichen Lebens auszublenden. Und plötzlich steht das kleine Lebewesen im Vordergrund und im Mittelpunkt des eigenen Lebens.

"Ja, was hat es denn?" gehört zu den Hassfragen, die Großeltern an die Eltern richten können. Denn nun beginnt eine Zeit, in der das Kind ein Bedürfnis hat, dieses aber nur mit Schreien kundtun kann. Dabei kann das Kind Hunger oder Durst haben. Oder körperliche Nähe suchen. Oder es ist müde. Oder hat es vielleicht doch Bauchschmerzen? Der erste Zahn? Es gibt viele Gründe, weshalb Babys schreien.
Und auch hier hat die Natur einen cleveren Mechanismus eingebaut, denn Eltern reagieren auf das Schreien der eigenen Kinder sehr empfindlich. Dabei können Eltern sogar aus einem ohrenbetäubenden Lärm das eigene Kind heraushören. Und wenn das Kind schreit, löst es automatisch Stress bei den Eltern aus. Vorbei die Zeiten der Fülle an Glückshormonen.

Gleichzeitig darf man als Elternteil mit allmöglichen Körperausscheidungen des Kindes Kontakt aufnehmen. Die sich zudem alle im Laufe der Zeit verändern, je nach zugeführter Nahrung. Mit Ausnahme der Ohren gilt: hat das Kind eine Öffnung, kann etwas herauskommen, das unangenehm aussieht und/oder riecht.

Das sind die Momente, in denen man sich kein Baby wünscht und den Moment sehnlichst herbei wünscht, in dem es endlich sagen kann, was es hat. Und im Nachhinein ist es tatsächlich ein Segen, wenn die Kinder anfangen zu kommunizieren.

Allerdings neigt der Mensch dazu, negative Eindrücke eindringlicher abzuspeichern als positive. Eine Errungenschaft der Natur, die uns tagtäglich begegnet (man denke nur an das Verhältnis Lob zu Kritik vom Vorgesetzten bzw. Kunden). Dabei gibt es mit Babys unendlich viel zu entdecken. Die Entwicklung, die Kinder im ersten Jahr mitmachen, ist mit keiner anderen Lebensspanne des Lebens zu vergleichen!

Es ist einfach toll, wenn man beobachten kann, wie die Kinder die Welt entdecken. Man denke nur an Momente wie: "Oh, Hände! Oh, es sind meine!"

Wieder von vorn

Ich möchte diese Zeit nicht missen. Bin dann aber doch auch froh gewesen, als sie anfingen zu reden und zu handeln. Oder wenn die letzte Windel gekauft ist und wenn die Kinder sich selbst anziehen.
Dennoch haben wir mit unserem kleinsten einen Neubeginn gewagt. Wir hatten alle Babysachen weggegeben und der Zweite war den Windeln "schon längst" entwachsen, als wir unser drittes Kind bekommen haben.
Klar, die Babysachen machen so ihre Runde im Bekanntenkreis und werden zig Mal aufgetragen. Nach dem zweiten Kind sind zudem viele Sachen auch schon durchgerockt. Und natürlich hatten wir uns mit der Hoffnung getragen, dass das dritte Kind, vielleicht kein Junge sein würde.

Und was soll ich sagen: wir haben es nicht bereut, ein drittes Kind bekommen zu haben. Auch wenn es wieder ein Sohn ist (-:
Mit einem dritten Kind geht man einfach anders um. Dennoch ist es genauso spannend, wie er sich seine Welt erschlossen hat. Natürlich sind wir sehr dankbar, dass er sehr früh zu sprechen begonnen hat und schon sehr früh angefangen hat, zu äußern, was er möchte.

Aber ich werde auch froh sein, wenn wir nun wirklich das letzte Windelpaket gekauft haben, wenn der Kinderwagen endgültig verschrottet wird und die Bodies der Vergangenheit angehören werden.

Aber zurück zur Ursprungsfrage

Die Denkweise "Ich kann besser mit großen Kindern" rührt einfach daher, dass man mit großen Kindern ganz andere Dinge machen kann. Große Kinder entdecken weiterhin die Welt. Nur anders. Viele Eltern möchten es zudem einfach genießen, wieder ein bisschen mehr Zeit für sich zu haben oder einfach auch mal mit den Kindern weggehen zu können, ohne den halben Hausstand mitzunehmen.

Ich bin mir aber sicher, dass viele Eltern sich von ihren Erinnerungen trügen lassen, denn ich bleibe dabei: alles zu seiner Zeit. Die Zeiten mit einem Säugling sind sehr aufregend gewesen. Und nebenbei gemerkt auch nicht "viel zu schnell vorbei". Wenn ich an meine kinderlose Zeit denke, so scheint diese vor Äonen gewesen zu sein.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch gar nicht auf Ewig einen Säugling um mich herum haben. Und wenn demnächst das Windelalter unseres Dritten vorüber ist, dann sind wir entsprechend auch froh, diese Zeitspanne unseres Lebens hinter uns gelassen zu haben.


Kommentare:

  1. Lieber Frank!

    Vielen, lieben Dank für diesen tollen Beitrag zu unserer Blogparade. „Ja, was hat es denn?“ wird mich heute sicher noch das eine oder andere Mal zum Schmunzeln bringen. Der Satz ist als Klassiker mit „Loriot“-Anmutung einfach großartig :)
    Ich bin in allen Punkten deiner Meinung, nur eines sehe ich etwas anders: Ich glaube nicht, dass Menschen dazu neigen, Negatives stärker in Erinnerung zu behalten. Ganz im Gegenteil. Wir verklären doch eher den Urlaub, der in vielen Momenten eher so „naja“ war und erinnern lieber die romantischen Sonnenuntergänge als den Baustellenlärm. So zumindest meine Erfahrung. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, mich verzückt an die kleinen Marzipan-Füße meiner Kinder zu erinnern. Obwohl ich ja bekennende Große-Kinder-Liebhaberin bin :)

    Lieben Gruß

    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      danke für Deinen Kommentar. Ich muss gestehen, dass ich auch Loriot im Sinn hatte, als ich den Satz geschrieben habe :)

      Bzgl der Erinnerung hast Du natürlich recht. Bei Urlauben erinnern wir uns gerne an das Positive und überstrahlen gerne unsere Erfahrungen, weshalb oftmals der mitgebrachte Wein in den eigenen vier Wänden auf einmal doch nicht mehr so toll schmeckt.

      Ich hatte da eher die verstärkende Wirkungen negativer Erfahrungen im Kopf, weshalb z.B. Freitag der 13. als besonders negativ in Erinnerung bleibt.

      Oder die Aussage eines Karriereberaters, der die Behauptung aufgestellt hat: "Gutes will der Mensch bewiesen haben, Schlechtes glaubt er sofort"

      Es hängt vielleicht vom "Verstärker" ab, was eher in Erinnerung bleibt.

      Aber das Thema scheint einen eigenen Beitrag wert ... ;)


      Viele Grüße
      Frank

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    2. Perfekt! So schnell wird uns nicht langweilig werden, wenn uns die Themen ganz nebenbei vor die Füße purzeln :)

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