Mittwoch, 15. Juni 2016

Mit Kleinkindern Fußball schauen

Reste eines EM-Abendessens
Mit Kindern ändert sich so einiges. Auch die Art und Weise, wie man Fußball schaut.

Habe ich mich früher auf der Couch gelümmelt oder mich einem Rudel angeschlossen, um in einer (damals noch verrauchten) Kneipe oder einem Biergarten ein Spiel anzuschauen, so sieht die Welt heute anders aus.

Der Siebenjährige hat ein erstes Interesse am Fußball und schafft es ein Spiel vollständig anzuschauen. Er versteht, was auf dem Platz passiert und kann dem Spiel folgen.

Unser Sechsjähriger hat da schon so seine Probleme. Zeigt die Kamera ein jubelndes Publikum, so fragt er (immer wieder): "War das jetzt ein Tor?" Er schafft es kaum dem Geschehen auf dem Platz zu folgen, geschweige denn, dass er irgendwelche Regeln des Fußballs kennt.

Der Zweijährige hat erwartungsgemäß gar kein Interesse am Fußball. Die bunten Bilder im Fernsehn fazinieren ihn, aber vom Verstehen, was gezeigt wird, ist er meilenweit entfernt.


Dazu sei dem Leser gesagt, dass wir tagsüber recht selten die Flimmerkiste anhaben und die samstägliche Sportschau nie anschauen. Natürlich ist da eine Fußball-Europmeisterschaft etwas besonderes.

Nun gibt es Familien, in denen sich ein Elternteil von dannen macht, um das Spiel ohne Kinder in irgendeinem Rudel zu schauen. Nicht selten sind es die Väter, die sich absetzen. Das finde ich ehrlich gesagt völlig daneben.
Dann gibt es Familien, die mit der ganzen Sippe auf eine Fan-Meile gehen. Kann man machen, muss man aber nicht. Das bedeutet für uns viel zu viel Stress.

Zudem haben wir einen recht geregelten Tagesausklang. Vor allem weil das abendliche Ritual gerade unserem Größten zu Gute kommt. Also besteht die Aufgabe darin, die Kinder an der EM teilhaben zu lassen, so dass es für alle Beteiligten okay ist.

Dafür kommt natürlich wochentags nur eine Partie in Frage, nämlich die von 18:00 Uhr bis 19:45 Uhr. Die Partie davor ist für uns alle zu früh und die danach für die Kinder zu spät.

Das Gucken des Spiels erinnert mich sehr stark an eine lange Autofahrt. Hier gilt es ebenfalls die Kinder bei Laune zu halten. Es mag pädagogisch fragwürdig sein, aber Essen ist eine funktionierende Methode. Also haben wir kurzerhand unser Abendessen vor den Fernseher verlegt. Gleichzeitig haben wir uns die Mühe gemacht und das Essen kindmundgerecht zurechtgeschnitten.

Und so kommen wir doch in den Genuss, uns auf der Couch zu lümmeln. Natürlich in Grenzen, denn wenn der Zweijährige anfängt die Butter des Brots auf der Couch zu verteilen, lenkt es doch etwas vom Spiel ab.

In den Endrunden werden wir auf jeden Fall versuchen, ein "Kinderrudelfußballgucken" zu veranstalten. Das funktioniert auch, wenn für die Kleinsten ausreichend Spielmöglichkeiten bereit stehen.

Und plötzlich ist das Fußballgucken mit Kindern gar nicht mehr so anders wie das Fußballgucken ohne Kinder!


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe MMI von Frollein Pfau.

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