Donnerstag, 14. Juli 2016

Kinder essen was sie wollen

Ja, in diesem Blog findet sich so mancher Beitrag zum Thema Ernährung. Allein gestern gab es einen Beitrag zum Essen in Kitas, Schulen und Betriebskantinen. Wir machen uns ein paar Gedanken zum Thema Ernährung. Da passt der Aufruf zur Blogparade von Kinderalltag.de ganz gut. Thema: Wie ermutigen wir unsere Kinder, sich ausgewogen zu ernähren?

Ein bisschen erinnert mich diese Frage an einen Tweet, den der Familienbetrieb in seiner wöchentlichen Zusammenfassungen präsentiert hat. "Das Kind brüllt empört über den Zoo-Spielplatz: Ich möchte keine Pommes ich will einen Apfel ... Ja, so habe ich auch geguckt."

Wir haben drei Kinder und jedes hat so seine Vorlieben. Interessanterweise haben alle drei um so abwechslungsreicher gegessen, je jünger sie waren. Klar, hier gab es den Effekt, dass die Kleinen unbedingt das essen wollten, was auch wir Erwachsene aßen. Außerdem ist es eh cooler, wie ein Großer zu sein. Das hat aktuell zur Folge, dass der Zweijährige ohne jegliche Sitzerhöhung mit mehr oder minder normalen Besteck am Essenstisch sitzt. Als der Erstgeborene in dem Alter war, war daran überhaupt nicht zu denken. Das aber nur nebenbei bemerkt.

Irgendwann werden die Kinder größer und entwickeln ihren eigenen Geschmack. Oder besser gesagt Nicht-Geschmack.

Wenn ich daran denke, dass meine Eltern noch sagen, dass früher Kinder bis zum dritten Lebensjahr gefüttert wurden oder wenn ich von anderen Eltern höre, dass ihre Kinder sich nur von Kartoffeln mit Kohlrabi ernähren, bin ich eigentlich ganz froh, dass wir nur ein paar - nun sagen wir mal übliche - Ernährungsgepflogenheiten kennen.

Grundsätzliches


Bleiben wir beim Kleinsten. Er isst tatsächlich noch am meisten und probiert auch artig. Natürlich kommen auch von ihm angebissene Brote und zermantschtes Obst aus der Kita zurück. Aber dort gibt es recht regelmäßige ausgedehnte Mahlzeiten, so dass wir nicht immer wissen, was er dort gegessen hat, was wir ihm nicht mitgegeben haben.

Der Mittlere steht mit seinen sechs Jahren kurz vor der Einschulung. Das ist eh ein schwieriges Alter. Kinder kurz vor der Einschulung sind allwissend und haben überhaupt keine Vorstellung davon, wozu Schule überhaupt gut sein soll. Sie wissen und kennen ja schon alles.
Von unserem Größten wissen wir allerdings, dass sich diese Einstellung nach ein paar Wochen Schule radikal ändert.
Er hat schon deutlich mehr Allüren, was die Ernährung betrifft, profitiert aber ebenfalls noch von den ausgiebigen Kita-Mahlzeiten.

Ausgiebig heißt übrigens ein zweites Frühstück nach der Ankunft, ein Mittagessen und noch den Nachmittags-Imbiss. Bei uns zu Hause gibt es zusätzlich das erste Frühstück und noch ein Abendessen.

Der Erstgeborene wird jetzt ein Drittklässler und profitiert schon länger nicht mehr von dem Kita-Essen. Dafür isst er Mittags zu Hause.

Fünfe gerade sein lassen

Die oben genannten unterschiedlichen Essverhalten resultieren in vollkommen unterschiedlichen Essvorlieben. Wenn es nach dem Willen der Kinder ginge, hätten wir für ein gemeinsames Mittagsessen 10 Kochplatten am Start, auf denen das jeweilige Kinderessen brutzelt. Das geht natürlich nicht, so dass wir uns etwas anderes überlegt haben. Hier unsere "Haupttaktiken":

Taktik 1: So viele Teile Gemüse, wie die Kinder alt sind.
Diese Vorgehensweise funktioniert erstaunlich oft. Die Kinder essen von dem, was ihnen schmeckt, so viel sie wollen und von dem Rest so viele Teile, wie sie alt sind. Und wenn es nur sechs Erbsen sind.
Taktik 2: In Soße ertränken
Wir erlauben unseren Kindern gelegentlich das Gemüse in einer gekauften Sauce Hollandaise zu ertränken. Ja, das ist einer dieser Soßen, die werben ohne Geschmacksversträker zu sein, aber dennoch voll davon sind. Ja, wir kennen mittlerweile die Tricks der Lebensmittelindustrie.
Taktik 3: Belohnungen ausloben
Wird ein Lebensmittel explizit für Kinder hergestellt, dann kann man sich sicher sein, dass diese zu teuer, zu fett und zu viel Zucker enthalten. Das gilt nicht nur für Kinderwürste, sondern auch für jegliche "Kinder"-Produkte. Auch Kinder-Puddings und -Joghurts gehören dazu.
Aber manchmal (vielleicht ein Mal im Monat) locken wir damit. Wenn sie das Gemüse essen, dann gibt es etwas davon. Funktioniert.
Taktik 4: Das Ungesunde verdünnen
Das eben genannte ist die Ausnahme. Die Regel ist anders. Nehmen wir z.B. die Joghurts. Bio-Joghurts enthalten z.B. oftmals nur halb so viel Zucker wie konventionelle. Noch besser ist es, Naturjoghurt zu nehmen, und die Kinder dürfen sich den selbst süßen. Dafür eignet sich auch Honig oder Fruchtsirup. Wenn man sich das Essen selbst süßt, benutzt man deutlich weniger als die Lebensmittelhersteller.
Taktik 5: Rohkost
Keine Ahnung warum, aber wenn wir Gurke, Paprika, Tomaten oder Möhren als Rohkost anbieten, dann wird es gegessen. Gekochte Möhren auch als Variante mit (Zucker-)Erbsen hingegen nicht. Das soll verstehen, wer will, aber es funktioniert.
Wir bieten gerade Abends viel frische Waren an. Vor allem jetzt im Sommer ist Hochsaison für Frisches. Neben den Gemüsen kommen auch zahlreiche Obstsorten auf den Tisch.
Mit dem "Nachteil", dass das Waschen und Zubereiten ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Taktik 6: Essen als Kinderessen deklarieren
Diese letzte Taktik wenden wohl viele Eltern an. Wenn wir sagen, dass ein Essen explizit ein Kinderessen ist, dann essen sie es. Auch wenn es sich kaum vom Erwachsenenessen unterscheidet. Es hilft manchmal auch ein wenig Süße an das Essen zu machen. So gibt es bei uns manchmal Honigkarotten. Dafür einfach einen knappen Schwall Honig über die Karotten geben, wenn diese fertig sind. Aber vorsicht, Honig besteht zu 80-90% aus Zucker. (Am besten die Karotten dafür nicht zerkleinern).

Taktik 7 Abwechslung:
Einige Dinge funktionieren bei unseren Kindern nicht. Zum Beispiel das Vermischen. Geben wir das Gemüse irgendwo hinzu, wird es mit raffiniertesten Sinnen aufgespürt. Sei es ein Gemüse-Crepe oder ein Gemüseallerlei, jegliches Grün wird sofort erblickt und es gibt ein "Bäh" als Reaktion.

Nicht aber bei selbstgemachten Kartoffelpuffern. Dafür einfach die Kartoffeln in Streifen schneiden (evtl. kurz vorkochen) und dazu eine Gemüse-Ei-Mischung hinzugeben. Wir servieren die schon mal mit Apfelmus.

Und der Leser merkt: Viel Abwechslung hilft.

Vorbild sein

Mit das wichtigste ist aber das eigene Verhalten. Wenn wir selbst gerne Fastfood essen würden, wäre es für die Kinder nur schwer verständlich zu machen, dass sie jetzt Gemüse essen sollen. Ein Extrembeispiel? Ja, aber wir kennen tatsächlich Eltern, die gerne (auch vor den Augen der Kinder) naschen, nur um es den Kindern selbst zu verbieten. Für die Kinder sind die Eltern noch immer Vorbilder.

Natürlich gibt es auch bei uns Pommes, Pizza & Co. Aber eben nicht ständig. Und wenn ein Kind kein Mittagessen essen möchte (Was es darf. Bei uns gibt es kein Essenszwang!), dann wird es das nicht umbringen. Allerdings gibt es dann kein Süßkram am Nachmittag. Also auch kein Eis am heißen Sommertag. Auch das kommt hin und wieder vor.

Bei uns gibt es auch nicht den vollkommen sinnfreien Zusammenhang zwischen Essen und dem Wetter ("Wenn Du nicht aufisst, gibt es schlechtes Wetter" - Häh?). Wenn ein Kind nichts essen möchte, dann isst es eben nichts. Wir bieten für die eine Mahlzeit keine Alternative an und können uns dafür sicher sein, dass bei der nächsten Mahlzeit die Portion umso größer sein wird.



Kommentare:

  1. Hallo!

    Danke für den tollen Beitrag zu meiner Blogparade. Den Trick mit dem Alter und der Anzahl Bissen, die jedes Kind vom ungeliebten Essen zu sich nehmen soll werde ich mal probieren. Da werde ich aber nicht unbedingt ein Vorbild sein ;)

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    1. Da hast Du sicherlich Recht - die Eltern sind von dieser Regelung ausgeschlossen :D Allerdings sehen sie bei uns auch immer die "Riesenberge" von dem "ungeliebten Zeugs" ...

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    2. Die unbeliebten Riesenberge Salat und Co essen die Kinder, wenn sie groß sind. Behauptet jedenfalls die Tocher ;) http://ideas4parents.com/blogparade-essen/

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  2. Hallo,

    ich glaube, es gibt kaum Eltern, die nicht den Kampf beim oder um das Essen kennen,oder?

    Vielleicht magst du ja mal in meinem Beitrag zum Thema "Gesunde Ernährung bei Kindern" reinschauen : https://youtu.be/frCmro5JT9k

    Liebe Grüße,
    Britta

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    1. Hallo Britta,

      danke für Deinen Link. Das Video habe ich angeschaut und zuerst als kleinen technischen Tipp: Die Lichtpunkte im zweiten Teil des Videos stören ;) Außerdem finde ich, dass Dein Kopf zu weit unten ist - sollten Köpfe nicht im oberen Drittel des Bildes sein?

      Der Einkaufstipp ist grundsätzlich gut, aber zum einen bewerben Supermärkte in den Prospekten nicht unbedingt das, was gesund ist und zum anderen müssen wir auch dann durch die Quengelzonen ;) Ich erlaube mir den Luxus, so oft es geht, ohne Kinder einzukaufen.

      Mit dem Essen hast Du natürlich Recht. Bei uns sind die Mahlzeiten eine gemeinschaftliche Aktion und die findet an einem Tisch statt.

      Natürlich dürfen die Kinder auch mitkochen, aber je nach Küche wird es durchaus eng, vor allem, wenn die Pfannen und Töpfe auf dem Herd stehen.

      Die Idee, dass Kinder sehen, was auf dem Tisch steht, gelingt übrigens auch, wenn die Töpfe auf dem Tisch stehen. Es müssen nicht unbedingt Glasschlüsseln sein.

      Die "Droh-Atmosphäre" gibt es bei uns auch nicht (wie im beitrag zu lesen), aber der Nachtisch kann durchaus Teil eines Belohnungssystems sein. Also einfach die Drohung umkehren.

      Mir persönlich ist Dein Video ein Ticken zu lang - wir leben in einer hastigen Zeit ;)

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