Mittwoch, 21. September 2016

Mein Kind ist irgendwie anders ... nur wie?

Es ist oftmals schwer zu erklären, wie es sich äußert, dass unser Sohn anders ist als andere. Es kann ein Fluch und Segen sein, wenn es sich um eine nicht sichtbare Einschränkung handelt, mit der wir uns im Alltag herumschlagen müssen, zumal sich die Ärzte auf eine Diagnose nicht festlegen möchten.

Was ist aber anders? Ich zeige es mal an einem Beispiel. Er hat vor ein paar Wochen bei einem Freund das Spiel Minecraft kennengelernt. Dieses mittlerweile nun sieben Jahre alte Open-World-Spiel scheint Kinder auch heute noch zu faszinieren. Erstaunlich, denn sieben Jahre sind im Bereich der Computerspiele eine Ewigkeit. Aber es liegt am Spielprinzip, mit kleinen Klötzchen etwas abzubauen, um damit andere Dinge zu erschaffen, dass nahezu zeitlos ist. Die Grafik war schon bei der Veröffentlichung schlecht.

In diesem Spiel sammelt man Materialien, wie z.B. Holz oder Stein und kann damit andere Dinge bauen, in dem diese Materialien miteinander kombiniert werden. Dafür werden Welten kreiert, in der Bäume stehen, Flüsse fließen, sich Berge erheben und vereinzelt auch Tiere die Welt bevölkern. Je nach Spielmodus gibt es auch andere vom Computer gesteuerte Mitspieler oder man spielt gleich online mit anderen Computerspielern.

Er hatte zufällig den Freund zu Besuch, bei dem er das Spiel kennengelernt hat, als wir das Spiel auf unserer XBox One installiert haben. Zuerst dürfte unser Sohn spielen und zeigte wie bei anderen XBox-Spielen auch massive Schwierigkeiten, den Controller zu benutzen. Er hat eben recht viele Knöpfe. Er spielte in der Welt mehr recht als schlecht, lief mehr herum, als dass er irgendwie dem Spielprinzip folgte. Dann durfte der Freund ebenfalls spielen.

Ich muss dazu sagen, dass der Freund bei sich zu Hause öfter und länger an der Konsole spielen darf. Aber er hat das Spiel, obwohl er es nur von der Playstation kennt, so gespielt, wie ich es von einem Achtjährigen erwarte. Er nahm sich den Controller (die Controller der Konsolen ähneln sich) und hat sofort angefangen, Holz und Stein abzubauen, um damit ein Haus zu bauen. Es dauerte keine 15 Minuten und er hatte das Haus samt Türe und Fenstern fertig gebaut. Dabei hackten seine Finger auf die Knöpfe des Controllers, so wie es eben sein soll.

Als sein Freund gegangen war und er anschließend (als Ausnahme, weil sein Geburtstag war) selbst wieder ran durfte, musste ich zuerst eine superflache Welt erschaffen. Eine sterile Welt ohne Bäume, Berge und Tiere. Es gibt lediglich ein kleines Dorf. In dieser Welt fand er sich eher zurecht. Wir überlegen nun, ob dieses Spiel ein weiteres Mittel sein kann, wie wir ihn auf das "reale Leben" vorbereiten kann. Denn viele Dinge muss er mühsam erlernen.

Nun haben Sie als Leser dieses Textes eine kleine Idee, wie sich seine Andersartigkeit äußert. Sie denken vielleicht, dass sie erahnen können, was ich mit diesem Beitrag zeigen möchte, können es aber selbst nicht in Worte fassen. Von Ärzten hatten wir uns anderes erhofft, aber auch diese tun sich weiterhin damit schwer, seine Andersartigkeit zu erfassen.

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