Donnerstag, 1. September 2016

Mein Kind ist irgendwie anders ... Teil 4: Zurückstufung

Unser Sohn ist der Zweitjüngste in seine Klasse. Er ist mit einer der ersten "Muss-Kinder". Also Kinder, die ohne jeden Zweifel schulpflichtig sind. Kinder, die einen Monat vorher geboren sind, sind sogenannte "Kann-Kinder". Dort können die Eltern wählen, ob die Kinder eingeschult werden oder ob sie noch ein Jahr in der Kita bleiben.

Meine Frau hat sich von Anfang an unwohl gefühlt, dass unser Sohn so früh eingeschult wurde. Sie hatte sich gewünscht, dass er ein Jahr später eingeschult worden wäre. Ich hingegen sehe es eher als Vorteil, wenn sie schulische Laufbahn eher beendet wird.
In der Tagesklinik hatte man ebenfalls den Eindruck, dass er etwas zu früh eingeschult wurde, aber das Team sah keinerlei Veranlassung, ihn nur aus diesem Grund zurückzustufen.
Wir haben aber in unserem Bekanntenkreis einige, die ihre Kinder haben zurückstufen lassen. Und alle berichten positiv davon. Es hatte dem Kind gutgetan.

Irgendwann vor den Sommerferien hatte meine Frau eine Unterredung mit seiner Klassenlehrerin, die es bereute, ihr eigenes Kind nicht zurückstufen zu lassen, als es noch ohne weiteres möglich war. Spielt man mit dem Gedanken, sein Kind zurückzustufen, so gilt, je früher, desto besser. In den ersten beiden Jahren ist das ohne Probleme möglich. In den Jahren danach ist es zwar auch möglich, aber deutlich schwieriger.

Seine Klassenlehrerin sah seine soziale Isolation eher als Grund. Er arbeitet nicht in der Gruppe mit und sitzt mehr oder weniger alleine. Er macht "sein Ding", aber immerhin nach ihren Vorgaben.

Meine Frau hatte mich schon davon überzeugt, dass es für unseren Sohn besser wäre, wenn er das Jahr wiederholte und die Klassenlehrerin hatte sich schon nach den Formalitäten erkundigt. Es ist üblich, dass die Kinder vor den Sommerferien zurückgestuft werden, so dass sie sich schon vor den Ferien an die neue Klasse gewöhnen können.

Sie hatte sogar schon unseren Sohn nach seiner Meinung gefragt, aber wenig überraschend war er davon wenig begeistert.

Dann hatten wir einen Termin bei unserem ortsansässigen Psychologen. Dieser hatte die richtigen Fragen gestellt:
  1. Er: Hat er Probleme in irgendeinem Fach mitzukommen?
    Wir: Nein, eigentlich nicht. Natürlich hat er Fächer, die er mag und welche, die er nicht mag. Aber leistungstechnische Probleme hatte er nicht.
  2. Er: Hat er Probleme mit seiner Klassenlehrerin?
    Wir: Nein, ganz im Gegenteil. Sie hat ihn gut im Griff und weiß mit ihm umzugehen. Sie hatte sogar beim letzten Gespräch gesagt, dass er nicht zu den auffälligsten in der Klasse gehörte.
    Er: Dann ändern sie nichts! Ändern sie kein funktionierendes Team!
Das war das Hauptargument. Das funktionierende Team bestehend aus Klassenlehrerin und Schüler gewichtet stärker als alle anderen Gründe. Zu groß ist die Gefahr, dass das neue Team nicht mehr funktioniert. Und das kenne ich noch zu gut aus meiner eigenen Schulzeit: wie gut man in der Schule ist, hängt zu einem sehr großen Teil vom Lehrer ab.

Und so haben wir uns gegen eine Zurückstufung entschieden und er wurde vorige Woche in die dritte Klasse versetzt.

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