Donnerstag, 6. Oktober 2016

Bis zum späten Morgen (3/5)

Mit 110 Seiten ist dieser Booksnack eigentlich kein Booksnack, denn dieser ist (nach meiner eigenen Definition) eine Mini-Kurzgeschichte mit einem Umfang von ca. 3-10 Seiten. Also sollte ich diese Kurzgeschichte, die es Anfang Oktober 2016 für Newsletter-Abonenten kostenfrei zu beziehen gab, zu den "klassischen" Kurzgeschichten zählen. Tu ich aber nicht, denn dieser Booksnack ist dann doch wieder einer, weil er zehn plus eine Mini-Kurzgeschichte in sich vereint. Es ist also sozusagen eine Mini-Kurzgeschichten-Sammlung.

Dabei unterscheiden sich die zehn Mini-Kurzgeschichten deutlich in Bezug auf Umfang und Qualität deutlich voneinander. Von belangloser und nichtssagender Mini-Kurzgeschichte mit einem Umfang von zwei Seiten, über eine verworrene Mini-Kurzgeschichte mit einem Umfang von 5 Seiten bis hin zu spannenden Mini-Kurzgeschichten mit einem Umfang von 10 Seiten ist in dieser Sammlung alles vertreten.

Wieso plus eins?

Die zehn Booksnacks scharren sich alle um eine Rahmenhandlung, die eigentlich kaum eine Rolle spielt. Nur die letzte der zehn Kurzgeschichten nimmt die Rahmenhandlung auf, die anderen neun können auch unabhängig voneinander gelesen werden. Der Aufhänger der Geschichten stellt eine Bar dar, an der nach und nach diverse Gäste aus allen Herren Ländern ihre kleinen Anekdoten erzählen.

Oftmals drehen sich die Geschichten um Verlust, Tod, Sex und Drogen. Manche Geschichten sind wirklich gut geschrieben und machen Spaß gelesen zu werden, bei anderen fragt sich der Leser, was wohl die Quintessenz einer Geschichte ist, in der einfach nur eine Umgebung geschildert wird, ohne dass etwas passiert.

Der Schreibstil unterscheidet sich innerhalb der Geschichten ebenfalls. Mal gibt es Mini-Kurzgeschichten mit mehreren Handlungssträngen, bei denen sich so mancher Strang in Schall und Rauch auflöst, während sich ein anderer als Hauptstrang herauskristallisiert. Klingt verworren, ist es schlussendlich auch.
In anderen Geschichten ist der Stil simpel gehalten und die Geschichte liest sich wie Butter auf einem warmen Brötchen.

Warum ich nicht näher auf die einzelnen Handlungen eingehe? Weil bei Mini-Kurzgeschichten dabei sehr schnell gespoilert wird und die eigentliche Pointe von so mancher Geschichte dadurch verloren gehen würde.

Was ich definitiv nicht bestätigen kann, ist die Voraussetzung politischer Kenntnisse, so wie manche Rezensienten es schildern. Die Geschichten sind auch ohne tiefgreifende politische Kenntnisse verständlich. Da in den Geschichten vom World-Trade-Center und von der D-Mark die Rede ist, die Mauer aber schon fiel, spielt die Geschichte in den Jahren zwischen 1989 und 2000. Diese zeitliche Einordnung sollte der Leser zumindest so grob kennen.

Fazit

Kann man nun eine Kurzgeschichtensammlung empfehlen, in der die Qualität der Geschichten derart schwankt? Schlussendlich spreche ich mich für eine Empfehlung dieser Mini-Kurzgeschichtensammlung aus, wobei man auf der anderen Seite nicht viel verpasst, wenn einem dieses literarische Werk nicht unter die Augen kommt.

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