Sonntag, 2. Oktober 2016

Die Meerenge (Stephen King Story Selection No. 13) 4/5

Wenn ich an Stephen King und Kurzgeschichten denke, dann kommt mir immer das Buch Vier nach Mitternacht in den Sinn, in dem vier Geschichten zusammengefasst sind, die jeweils nach Kings Meinung für ein Buch zu kurz und für eine Kurzgeschichte zu lang sind: Die vier Geschichten fassen zusammen über 1000 Seiten.

Nun, "Die Meerenge" hingegen ist eine echte Kurzgeschichte, denn netto umfasst die Geschichte 22 Seiten. Alle anderen Seiten des eBooks beinhalten Impressum & Co., sowie eine Leseprobe des Buchs "Wahn" (ebenfalls von King). Diese Info finde ich relativ wichtig, weshalb ich sie explizit erwähne. Im Vergleich zu einem Booksnack ist der Umfang "sehr" groß. Wenn man bedenkt, dass dieses eBook 99 Cent kostet, stimmt meines Erachtens das Preis-Leistungsverhältnis deutlich besser.

Erzählt wird die Geschichte von Stella Flanders, die Zeit ihres Lebens auf der Insel "Goat Island" lebte, ohne diese je verlassen zu haben. Warum sollte sie auch, hatte die Inselgemeinschaft ihr doch immer alles gegeben. Nun im Alter von 95 Jahren erlebt sie einen der härtesten Winter seit Jahrzehnten und saniert über die Vergangenheit.

Der Erzählstil ist dabei recht interessant, denn er wechselt zwischen aktuellen Ereignisse und der Vergangenheit. Wenn Stella über die Vergangenheit nachdenkt, dann in der Form, als wenn sie es ihren Urenkel erzählen würde. Im Konjunktiv erinnert sie sich an ihre Vergangenheit und denkt darüber nach, was sie ihren Urenkeln erzählen würde und was sie wirklich tut.

Zeitlich springt King bei der Erzählung, so dass man genau lesen muss, um zu erkennen, was wirklich passiert ist und was in der Gegenwart spielt. Zuerst dachte ich an ein offenes Ende, aber der Schlusssatz konkretisiert dann doch die Gedanken.

Alles in Allem eine schöne Kurzgeschichte, die ich gar nicht in ein bestimmtes Genre stecken kann. Eine Horrorgeschichte ist es jedenfalls nicht.


Eine kleine Anmerkung zu Schluss:

Ich bin mir sicher, dass es keine Absicht war, aber der Begriff "mongoloid" galt auch zu Zeit der Entstehung der Geschichte als nicht mehr zeitgemäß und diskriminierend für Menschen mit Down-Syndrom. Einem Autor wie Stephen King (oder deren Übersetzer?) kann man das durchaus ankreiden. (Ebenso wie er in "Schwarz" eine dissoziative Identitätsstörung mit einer Schizophrenie verwechselt hat.) Einen Einfluss auf meine Bewertung der Geschichte hat dies aber nicht.

Das Wort mongoloid ist dann schlussendlich auch der Grund gewesen, dass ich die Rezension bei Amazon stark kürzen musste, weil dieses Wort automatisch gefiltert und die Rezension nicht veröffentlich wurde.

Dieses Geschichte ist Teil einer Serie von Kurzgeschichten. Es gibt insgesamt 50 Kurzgeschichten, die sich in Summe zur "Stephen King Story Selection" zusammenfügen. Die Meerenge ist Nummer 13. In Deutschland ist die Geschichte erstmals mit der Erzählsammlung "Blut - Skeleton Crew" veröfentlicht worden. Diese Kurzgeschichte wurde mir freundlicherweise vom Heyne-Verlag als Rezensionsexemplar überlassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Bevor dieser sichtbar wird, muss er von einem Admin freigeschaltet werden. Bitte haben Sie etwas Geduld. Danke!