Mittwoch, 15. Februar 2017

[Blogparade] Was bedeutet(e) die Geburt für Dich?


Als Mann bzw. Vater hat man sicherlich ein vollkommen anderen Blick auf die Schwangerschaft und die Geburt. Und das darf durchaus wörtlich genommen werden.

Dieser Beitrag folgt dem Aufruf zur Blogparade "Was ist Geburt für Dich?" von HerzBauchWerk und verlinkt gleichzeitig zum "Mittwochs mag ich" der Frollein Pfau.


Leben

Man sagt ja immer, dass Katzen sieben Leben haben. Wir Menschen haben aber mitnichten nur das eine. Ich zähle bisher mindestens drei Leben (wenn nicht sogar mehr). Das Leben vor der Ehe. Das Leben in der Ehe ohne Kinder und das Leben in der Ehe mit Kindern.

Viele Menschen sagen immer wieder, dass die Zeit so schnell vergeht. Klar, unser größter ist nun achteinhalb Jahre alt. Kaum zu glauben, dass er nun schon in die dritte Klasse geht. Aber nach meinem Zeitgefühl ist die Zeit nicht schnell vergangen, sondern die kinderlose Zeit scheint Äonen in der Vergangenheit zu liegen.

Das zeigt, was für eine Veränderung Kinder im Leben eines Paares bedeuten. Eine Veränderung, die ich ebenso wie meine Frau so nicht erwartet habe. Eine Veränderung, die sich Kinderlose (wie wir immer wieder feststellen müssen) nicht im Geringsten vorstellen können.

Veränderungen

Bei den Geburten gilt es sicherlich zu unterschieden, ob es sich um die erste Geburt handelt oder nicht. Gar nicht mal im Sinne einer Wertung, sondern vielmehr im Sinne, welche Veränderung eine solche Geburt mit sich bringt.

Meine Frau hat alle drei Kinder ambulant geboren. Das heißt im Klartext, dass wir am Tag X im Laufe des Tages die Wohnung zu zweit verlassen haben und nach mehreren Stunden zu dritt wiedergekommen sind.

Dies sich im Vorfeld vorzustellen, ist einfach nicht möglich. Es gibt auch nichts, was dieses Gefühl beschreiben könnte. Was es tatsächlich bedeutet, wenn plötzlich ein kleines Menschlein zwischen oder auf einem liegt, für das man nun die volle Verantwortung zu übernehmen hat.

Kitsch hin oder her

Es mag abgedroschen klingen. Es mag total kitschig sein. Aber zu sehen, wie mein Kind das Licht der Welt erblickt, ist mit der intensivste Moment in meinem Leben gewesen.
Der Mutter kann ein Vater bei der Geburt eh nicht helfen. Sie ist eh dermaßen mit Hormonen vollgepumpt, dass ich ihr die entscheidenden Minuten schildern musste, weil jegliches Erinnerungsvermögen ausgelöscht wurde.

Der Mann ist zwar auch mit Hormonen vollgepumpt, aber mit anderen, die glücklicherweise nicht an den Erinnerungen zehren. Wobei ich sagen muss, dass es nicht nur positiv war, wie ich als Mann die Geburten erlebt habe. Es ist überhaupt kein schönes Gefühl, wenn Mann sieht, wie seine geliebte Ehefrau leidet und niemand der Anwesenden kann ihr helfen (durchaus unterstützen, aber eben nicht helfen).

Dieses Gefühl der Hilflosigkeit geht dem Hochgefühl vorraus, das ich hatte, als endlich der Schädel zu sehen war. Und erklärt sicherlich, wie aufgewühlt auch der Mann in einer solchen Situation ist. Und die Natur hält noch einen weiteren Verstärker für den Mann bereit. Es heißt, es ist auf den "Welpenschutz" zurückzuführen, damit die "Männchen" nicht gleich ihren Nachwuchs verspeisen, dass Väter sich in dem Neugeborenen sogleich wiedererkennen.

Okay, meine Jungs haben eine gewisse Ähnlichkeit zu mir (wobei allerdings auch eine gewisse Symmetrie zwischen mir und meiner Frau und somit auch zu den Kindern besteht, aber das ist ein anderes Thema). Aber es ist ein unglaublicher Verstärker, wenn die Hebamme ein Kind in den Händen hält und Du glaubst, Du schaust auf eine Miniaturausgabe von Dir.

Bedeutung

Es kann nur die Bedeutung der Geburt beurteilen, der sie auch erlebt hat. Deshalb würd ich die Frage eher in der Vergangenheitsform stellen. Es ist sicherlich ein sehr intimes und intensives Erlebnis und ich bin sehr froh, dass sich die Zeiten mittlerweile stark geändert haben, so dass die Geburt nicht so steril abläuft wie zu Zeiten meiner Mutter.

Ich bin froh, dass der Blick auf das Ungeborene heutzutage ein anderer ist. Dass erkannt wurde, dass auch das Neugeborene nicht nur als Ding behandelt wird. Dass Familien die Möglichkeit gegeben wird, die Geburt in einer doch vergleichsweisen angenehmen Atmosphäre zu erleben. Dass wir ambulant entbinden konnten.

Denn dieser eine Moment, in dem sich das Köpfchen in die raue kalte Wirklichkeit schiebt, stellt einen markanten Wendepunkt im Leben der gesamten Familie dar.


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