Montag, 20. Februar 2017

Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal - Band 1 5/5

Ich mag keine Geschichte mit offenen Enden. Auch wenn ich vorher weiß, dass es sich um eine Reihe handelt, so ist es mir deutlich lieber, wenn die Geschichte des Buchs in sich abgeschlossen ist. Wegen mir kann es noch weitere Handlungsstränge geben, die über alle Bücher einer Reihe erzählt werden. Aber dieses Buch missachtet meine Vorliebe sträflich. Und dennoch vergebe ich eine derart hohe Bewertung?

Das hat gleich mehrere Gründe, weshalb diese Geschichte trotz dieses bösen Cliffhangers empfehlenswert ist. Es handelt sich bei dieser Geschichte um eine historische Kriminalgeschichte (und nicht um einen Thriller), die den Leser nicht nur an der Kriminalarbeit teilhaben lässt, sondern ihn eindrucksvoll in das Leben des 17. Jahrhunderts der us-amerikanischen Kolonialzeit zurückversetzt.

Zeitreise

Diese literarische Zeitreise ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, denn an sehr vielen Stellen kann ich schon fast den Schlamm unter den Füßen der Protagonisten schmatzen hören. Viele Beschreibungen sind sehr bildlich, interessant und fesselnd. Auch wenn es sich übertrieben anhört, so schafft es der Autor einfach, die Neue Welt derart plastisch darzustellen.

Die Detailverliebtheit lässt sich allein darin erkennen, dass die beiden Hauptprotagonisten, ein Richter mit seinem Gerichtsdiener, nicht nur einfach in die Stadt reisen lässt, sondern Hundert Seiten Einleitung samt spannendem Geschehen investiert.

Charaktere

Viele Bücher konzentrieren sich auf die Hauptcharaktere, die es zu beschreiben gilt. In dieser Geschichte wird aber gleich eine kleine Stadt mit vielen interessanten und vielschichtigen Charakteren belebt. Charaktere, die zeigen, wie es tatsächlich gewesen sein könnte, wenn eine kleine Stadt sich gegen eine Hexe in ihren Reihen auflehnt. Wie die Realitäten verbogen werden, um eine Frau der Hexerei zu beschuldigen.

Natürlich hätte die Geschichte auch in einer beliebigen Kleinstadt in Europa spielen können, in denen ebenfalls zahlreiche vermeintliche Hexen ihr Leben lassen mussten. Aber der Autor ist nun mal US-Amerikaner.


Der Weg ist das Ziel

Hexe oder keine Hexe, das ist hier die Frage. Die aber in diesem Band nicht beantwortet wird. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf die Menschen und Charaktere. Wie leben sie zusammen. Wer sind die Rädelsführer, wer lebt einfach nur unter den anderen. Was geht in den Menschen vor, die damals tatsächlich von der Angst vor bösen Mächten umtrieben waren? Wie gestaltete sich die "Beweisführung", um einer Hexe ihre Sünde zu "beweisen".

Eine überaus interessante Betrachtungsweise, die den Leser aber, wie eingangs schon erwähnt, recht unbefriedigend zurücklässt. Nicht nur bleibt die Schuldfrage ungeklärt (oder besser gesagt der Schuldspruch), sondern auch die anderen Ermittlungen bleiben nebulös und sind überhaupt nicht konkret.

Fazit

Eine überaus interessante Geschichte, die den Leser gekonnt in das 17. Jahrhundert versetzt und an den Ängsten und Nöten der damaligen Kolonialisten teilhaben lässt. Und zwar in einer Qualität, dass ich dem Buch trotz des fiesen Endes die Höchstwertung gebe.




Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal - Band 1
Autor: McCammon, Robert
Genre: historischer Krimi
Verlag: Luzifer-Verlag
Wertung: ✦✦✦✦✦

Diese Rezension findet sich auch auf meinem Bücherblog.




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