Donnerstag, 13. Juli 2017

Wie bereite ich mein Kind auf ein Geschwisterchen vor?



Kathrin von kinderbilden.com stellt sich die Frage, wie man sein Kind auf ein Geschwisterchen vorbereitet.

Als Vater von drei Kindern hatten wir die Situation gleich zwei Mal, dass (mindestens) aus Sicht des Kindes die Familie urplötzlich vergrößert wurde.


Das erste Kind

Für die Familie, die ihr zweites Kind erwartet, kann es hilfreich sein, einmal zurückzublicken, um sich zu fragen, wie man sich als Eltern auf das erste Kind vorbereitet hat. Da meine Frau jeweils ambulant entbunden hat, entstanden jeweils nahezu unvorstellbare Situationen.

Wir haben als Paar am frühen Abend die Wohnung verlassen und sind als Familie am späten Abend zurückgekehrt. Im Grund genommen, kann man sich darauf gar nicht vorbereiten. Aber es fühlt sich einfach besser an, wenn man doch etwas macht, von dem man zumindest glaubt, es diene der Vorbereitung.

Das Alter des Kindes

Unser zweiter Sohn wurde geboren, als der Erstgeborene eineinhalb Jahre alt war. Zwischen dem zweiten und dem dritten beträgt der Altersunterschied vier Jahre. Hinsichtlich dem Verständnis, was ein Geschwisterkind betrifft, liegen da Welten zwischen.

Natürlich haben wir das Geschwisterkind schon bei der Geburt mit eingebunden. Allein durch unseren Freundes- und Bekanntenkreis hatte er mitbekommen, dass es schwangere Frauen gibt, die irgendwann mit einem Baby auftauchen. Für das Grundverständnis des Kindes war es sicherlich hilfreich, aber das ist etwas, worauf man als Eltern für gewöhnlich keinen Einfluss hat.

Sobald das Kind durch die Bauchdecke zu spüren ist, durfte er ebenso wie ich selbst das neue Leben spüren. Das physische Erfühlen der Bewegung im Bauch ist mit Sicherheit sehr gut, damit er die Situation im wahrsten Sinne des Wortes begreift.

Das hat (zumindest bei unseren Kindern) allerdings nicht für den Ultraschall gegolten. Das Sehen eines Ultraschallbildes ist dann offensichtlich für einen Eineinhalbjährigen zu abstrakt gewesen. Ich denke, dass hier jedes Kind anders darauf reagiert und es ruhig ausprobiert werden kann.

Nestbau

Bei manchen Geschwisterkindern schwingt die Sorge mit, dass sie Teile "ihres Territoriums" aufgeben müssen. Nun, angesichts der Wohnungsmärkte in den Großstädten sicherlich nicht ganz unberechtigt. Diese "Sorge" des Geschwisterkindes wiegt umso mehr, je größer es ist.

Hier haben wir ganz klar kommuniziert, dass ein neues Familienmitglied natürlich auch seinen Platz braucht, dieser in der ersten Zeit aber eh bei der Mutter ist und er sich keine Sorgen machen braucht, dass er irgendwo einstecken muss. Dass er später sich dann doch das Zimmer mit seinem Bruder teilen muss, war dann weniger von Belang. Das galt übrigens auch für den dritten Nachwuchs.

Reden

Das, was am meisten hilft, ist mit dem Geschwisterkind sprechen, ihm alles erklären, von dem man denkt, was da kommen wird und alle Fragen so gut es geht zu beantworten. Dabei sind wir wie immer im Leben sehr gut gefahren, bei der Wahrheit zu bleiben.

Dabei helfen sicherlich auch Bücher. Da gibt es mittlerweile sehr viele, die die Vorgänge der Schwangerschaft und der Geburt erklären. Ein Tipp: In der Stadtbücherei ein paar Bücher ausleihen. Es ist möglich einen Büchereiausweis auf das Kind auszustellen, so dass keine Kosten entstehen.

Spielen

Es hängt vom Kind ab, ob Rollenspiele hilfreich sind. Bei unserem Erstgeboren waren sie es nicht, was allerdings auch mit seiner Besonderheit zusammenhängt. Das "Sandwichkind" hingegen konnte mit Rollenspielen zumindest zweitweise etwas anfangen und sich so drauf einstimmen, dass bald ein neuer Bruder mitmischt.

Am Ende

ist es dann aber doch so, dass man sich im Grunde genommen gar nicht darauf vorbereiten kann. Klar, beim zweiten Kind wissen zumindest die Eltern, was sie erwartet. Vieles wiederholt sich. Das gibt eine Sicherheit, die sich auch auf das Geschwisterkind überträgt.

Die Situation, dass das Geschwisterkind die Familie verlässt, eventuell bei Freunden, Bekannten oder innerhalb der Familie übernachtet, anschließend wiederkommt und das neue Geschwisterchen sieht, ist eine Einmaligkeit. Eine Lebenssituation, in der alle für den Moment leben dürfen.

Und noch ein Tipp zum Schluss, der eigentlich zur "Nachbereitung" gehört: Nehmt und gebt euch die Zeit, das neue Familienmitglied in der Familie aufzunehmen. Das gilt insbesondere für die Eltern. Denn während die Mutter sich um den Neugeborenen kümmert, so ist es am Vater, sich um das Geschwisterkind zu kümmern, bis sich ein neuer Alltag etabliert hat. Und der wird neue Überraschungen und Herausforderungen bereithalten, vor allem, in der klassischen Familie.



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