Sonntag, 1. Oktober 2017

Finger weg von Kohlehydraten?

Ich finde es immer wieder amüsant, wir Untersuchungen in Studien zurechtgebogen werden, die dann wieder ihrerseits so interpretiert werden, dass es gerade eben passt. So wird in Deutschland aus einem "Low-Carb"-Trend gern mal ein "No-Carb"-Trend. Allerdings ist mit "Low Carb" aber nur eine Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr gemeint und nicht deren Verzicht.

Und so wollte auch eine Studie, den Trend bestätigen, dass eine Reduktion der Kohlenhydratanteile auf maximal 50% der täglich zugeführten Lebensmittel, lebensverlängernd wirkt. Das Problem an der Studie: Die Kausalitäten sind manchmal sehr fragwürdig. Allein schon die Aussage, dass mehr Fett und weniger Kohlenhydrate lebensverlängernd wirkt, finde ich persönlich mehr als fragwürdig. Und so mehren sich die Stimmen, die die Methodik besagter Studie anzweifeln (z.B. an der Uni Hohenheim).

Bisher galt die Empfehlung, nicht mehr als 30-35% der täglich zugenommen Energie aus dem Fettanteil der Nahrungsmittel stammen soll, wovon maximal 10% gesättigt sein darf. Diesen Anteil zu erhöhen dürfte weitreichende Konsequenzen haben.

Aber wie kommt es eigentlich zu der Fehlinterpretation? Das ist einfacher als der Konsument annehmen dürfte. Es wurde festgestellt, dass Menschen, die mehr Flisch essen, länger leben als jene, die sich vorwiegend von Getreide ernähren.

Nun muss der Betrachtungswinkel vergrößert werden, denn es wurde die Weltbevölkerung untersucht. Es wurden als die Menschen mit einer sehr guten Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung der Industrienationen mit wenig entwickelten Regionen verglichen, in denen diese Versorgnung mangelhaft ist. Nun wird jeder den Pferdefuß schon erahnen.

Menschen in Armutsregionen sind gezwungen ihre täglichen Energiebedarf mit Reis, Mais und Weizen zu decken. Was bei dieser Ernährung fehlt, sind die Bestandteile, die die Nahrung "wertvoll" machen (Spurenelemente, Vitamine, usw.). Es ist also eher die Unterversorgung der Menschen, die die Sterblichkeit sinken lässt. Und nicht Fleischkonsum der reichen Nationen, der die dort lebend Menschen länger leben lässt.

Anders drückt sich Prof. Dr. Jan Frank von der Uni Hohenheim aus: "Eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung kann qualitativ genauso ungenügend sein wie eine fettarme, kohlenhydratreiche Ernährung."

Ich persönlich halte von diesen Ernährungsempfehlungen sowieso nichts. Solange im Durchschnitt die Gesamtenergiebedarf des Körpers nicht überschritten wird und man sich selbst einigermaßen abwechslungsreich ernährt, muss gar nicht auf einzelne Bestandteile seiner Nahrung achten.

Die Natur hat uns Menschen so geformt, dass es im Grunde genommen keine ungesunde Lebensmittel gibt. Sei es Salz, Zucker, Kohlenhydrate oder fett. Unser Körper kann mit allem etwas anfangen und es verwerten. Woran es krankt, ist der maßvolle Umgang damit und die einseitige Erährung.