Donnerstag, 15. März 2018

Schulwechsel - Wandel beim Wechsel auf die weiterführende Schule

In Deutschland gilt: Bildung ist Ländersache, weswegen sich unsere Erfahrungen hinsichtlich eines Schulwechsels auf NRW beschränken.

In NRW gibt es als weiterführende Schulform die Realschule, Gesamtschule sowie das Gymnasium. Zusätzlich gibt es noch Schulen in privater Trägerschaft oder in öffentlicher Hand, die alternative Lernkonzepte erproben. Dazu zählen die Gemeinschaftsschulen, die in NRW seit 2011/12 erprobt werden oder die offene Schule Köln, die von einer Elterninitiative begründet wurde.
Zusätzlich gibt es noch Hauptschulen und Förderschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.


Wandel der Zeit


Es ist noch gar nicht mal so lange her, da wollten alle Eltern ihre Kinder auf einem Gymnasium wissen. Zu Zeiten, in denen die Schulformempfehlung der Grundschulen verpflichtend waren, gab dies einen elterlichen Shitstorm, auch wenn man ihn damals noch nicht so nannte.

In einer Stadt wie Köln wurde diesem Trend Rechnung getragen, denn es gibt doppelt so viele Gymnasien (37) wie Gesamtschulen (16). Zusätzlich gibt es 24 Real- und 17 Hauptschulen.
Mit der überstürzten und unbedachten Einführung der Schulzeitverkürzung auf 12 Schuljahre (auch bekannt als G9) wurde das Bildungssystem durchmischt und die Eltern zusätzlich verunsichert.

Gelaufen ist es ähnlich chaotisch wie der derzeitige Ausbau der Ganztagsplätze in den Grundschulen, nachdem die Eltern ihre Kinder in den KiTas zwar am Nachmittag betreut wussten, dann aber vor einem Problem stehen, wenn die Schule beginnt. Ebenso wie die Universitäten mit den doppelten Schuljahrgängen allein gelassen wurden.

Die Entscheidungsträger im NRW-Bildungsministerium scheinen nur sehr kurzfristig denken zu können.

Nun hat sich das Bild im Wandel der Entwicklung komplett geändert. Nun möchten die Eltern ihre Kinder gerne auf den Gesamtschulen wissen und nicht mehr so sehr auf den Gymnasien. Der Grund: Die Gymnasien haben G9 eingeführt, die Gesamtschulen nicht. Auch wenn es den Schulen mittlerweile freigestellt wird, so bleiben viele Gymnasien nun bei der schon eingeführten Schulzeitverkürzung.


Anmeldeverfahren

Noch etwas hat sich geändert: Jede weiterführende Schule veranstaltet mittlerweile einen Tag der offenen Türe, um den potentiellen neuen Schülern die Schule samt ihrer Einrichtung zu präsentieren. Diese Tage kann man mitmachen, muss man aber nicht. Interessierten Eltern bleibt sowieso nichts anderes üblich, als sich über die Lernkonzepte der Schulen auf der Homepage zu informieren und - was deutlich gewichtiger ist - auf die Mundpropaganda zu hören. Allerdings ist jedes Kind anders und eine Schule, die von den einen Eltern als sehr schlecht einstuft wird, wird von anderen hochgelobt.

Mittlerweile sieht es in NRW so aus, dass die Kinder zuerst an den Gesamtschulen angemeldet werden. Und zwar genau an einer Schule. Anschließend wählen die Schulen die Kinder auf, wobei es den Schulen überlassen ist, welches Kind angenommen wird und welches nicht. Je nach Größe der Schule bekommen allerdings nur 30-50% der angemeldeten Kinder einen Platz.

Ist die Entscheidungsphase um, ist der Zug hinsichtlich der Gesamtschulen abgefahren.

Nun kommt die zweite Bewerbungsphase, nun für die anderen Schulformen. All jene, die auf den Gesamtschulen nicht angenommen wurden und all jene, die von vornherein eine andere Schulform gewählt haben, schicken nun ihre Bewerbungen ab.

Nun wird es allerdings erwünscht, dass neben dem Erstwunsch ein Zweitwunsch angegeben wird. Immerhin besteht in Deutschland eine Schulpflicht und irgendwo müssen die Kinder ja unterrichtet werden. Zumindest für Köln gilt, dass so gut wie alle Kinder auf den "Erstwunsch-Schulen" angenommen werden.


Besondere Kinder

Für Eltern mit Kindern, die ein besonderes Bedürfnis haben, wird die Frage nach der geeigneten Schulform nochmals schwieriger. Soweit möglich, werden die Eltern versuchen, ihre Kinder auf einer Regelschule unterrichten zu lassen.

Interessant sind hier die Schulen mit alternativen Lehrkonzepten. Vor allem die Kinder, bei denen ein Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, werden sich mit den doch teilweise sehr großen Gesamtschulen schwertun. Hier ist vor allem die Gemeinschaftsschule oder die offene Schule in Köln eine Alternative. Manchmal tun sich allerdings auch bei städtischen Schulen Alternativen auf, wie zum Beispiel das EvT-(Elisabeth-von-Thüringen-)Gymnasium im Falle des Asperger-Autismus.

Wer allerdings denkt, dass er aufgrund einer Diagnose eine Sonderrolle einnimmt, muss enttäuscht werden. Auch diese Kinder durchlaufen den normalen Bewerbungsprozess - auch wenn die für die jeweiligen Familien in Frage kommenden Schulen deutlich eingeschränkter ist, als bei anderen Familien.

Optionen

Im Klartext heißt das, dass heutzutage Eltern mit ihren Kindern immer mehrere Schulen und manchmal sogar mehrere Schulformen im Blick haben müssen, die für sie in Frage kommen. In unserem Fall hat sich tatsächlich eine kleine Odyssee aufgetan, wobei schlussendlich wir durch das Raster der Alternativschulen und Gesamtschulen durchgefallen sind und nun bei einem Gymnasium gelandet sind, mit dem wir hoffentlich genauso glücklich werden, wie wir es von den anderen Schulen erhofft haben.

In unserem Umfeld hat zumindest bei den Eltern, bei denen der Schulwechsel ansteht, die Angst vor der ungewissen Zukunft deutlich zugenommen, so dass nicht nur vor diesem Hintergrund, die Auszeichnung Kölns als "kinderfreundliche Kommune" durch die Unicef als Farce verstanden wird.